13. Philippus de Plessis (Plaissie, Plesse, Plessiez). 1201-12. Februar 1209

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Hilfstruppen aus dem Westen brachten dem christlichen Königreich,
wie der Kreuzzug der Deutschen gezeigt hatte, nur bedingt Entlastung.
Das erklärt, weshalb der Patriarch und die Grossmeister wohl immer
wieder den Papst um seine Hilfe baten, aber gleichzeitig auf Waffenstillstandsangebote
der Muslime eingingen. Nach der ‘Relatio de viribus
Agarenorum’, die der Papst eingefordert hatte, die aber in der vorliegenden
Form aus verschiedenen Berichten im Westen zusammengestellt
sein dürfte, wären – bald nach der Jahrhundertwende – al-‘Ädil und
seine Söhne bereit gewesen, sich gegen einen Tribut an den Patriarchen
eines dauernden Friedens zu versichern, wohl ohne deshalb auf die Einnahmen
von den Jerusalem-Pilgern zu verzichten, die ihnen jährlich
20000 bis 30000 Besanten einbrachten. dass der Patriarch und die
Grossmeister an die Haltbarkeit dieses Versprechens glaubten, ist un-
wahrscheinlich. Es diente der Stabilisierung ihrer Lage für einige Zeit
und rechtfertigte dem Papst gegenüber die sich wiederholenden Verträge
mit den Muslimen. Al-‘Ädil hatte zwar mit seinen Söhnen in dieser Zeit
fast das ganze Reich seines Bruders Saladin erobert, aber in Nordsyrien
war die Ordnung noch nicht hergestellt, obwohl er im März 1202
(Dschumädä II. 598) einen Vertrag mit az-Zähir von Aleppo schloss und
darauf seinem Sohne al-Mu’azzam Damaskus und Jerusalem übergab.
Eine Hungersnot in Ägypten seit dem Spätsommer 1200 nötigte ihn,
mit den Christen zu verhandeln. Auch al-‘Ädil dachte nicht an einen
dauernden Frieden.

Woher der 13. Grossmeister Philippus de Plessis, wie er sich in einem
allerdings spät überlieferten Brief nennt, kam, ist nicht bekannt. Die
Tradition verlegt seine Heimat nach Angers, das Stammschloss seiner
Familie nach Plessis-Mace; Plessis begegnet auch sonst häufig im
Anjou. Vielleicht ist der Grossmeister mit jenem Philippus de Plasseio
(Plesseio) identisch, der 1185 und 1188 mit seinem Sohn Gervasius
für Ste Trinite de Vendome urkundete4); ein Le Plessis findet sich auch
in der Nähe von Vendöme, allerdings auch sonst, z. B. in der Champagne.
Dem hohen Adel gehörte Philipp nicht an; sonst wüsste man mehr über
seine Familie. Über seine frühere Stellung im Orden findet sich nichts.

Philipp trat sein Amt unter besonders erschwerten äusseren Bedingungen
an. Weil der Nil 1200 im Spätsommer nicht in gewohnter Weise
seine Ufer überschwemmte und das Land fruchtbar machte und wegen
der infolgedessen in Ägypten ausbrechenden Hungersnot, strömten
Flüchtlinge, darunter viele Christen, in die Küstenstädte Palästinas. Sie
zu ernähren war schwierig, da die erwarteten Getreidelieferungen aus
Sizilien wegen der Unruhen nach dem Tode Heinrichs VI. ausblieben.
Dazu kam, dass ein Sandsturm am 23. April 1202 das noch nicht ausgereifte
Korn auf dem Halm vernichtete. Der „Nebel”, von dem beide
Grossmeister berichten6), ist der von dem heissen Chamsin aufgewirbelte
Staub und Sand, der in dieser Jahreszeit von jeher gefürchtet wird, weil
er stets denselben Schaden anrichtet. Schliesslich musste der Orden noch
auf die Getreidelieferungen aus der Grafschaft Tripolis verzichten. Al –
‘Ädil war im Spätherbst 1201 mit seinem Heer von Ägypten nach Syrien
gezogen, um sich mit seinem Neffen, dem Sultan az-Zähir von Aleppo zu
einigen. Vor seinen Truppen flohen die Landleute in die Burgen. Die Felder
blieben unbestellt, obwohl der Grossmeister vom 11. November bis
Pfingsten 1202 mit 100 Rittern das Gebiet zwischen Safitha und Hamä
vor Überfällen schützte. Härter noch traf die Orden, Christen und Muslimen
in gleicher Weise, das schwere Erdbeben am Morgen des 20. Mai
1202, das einen grossen Teil der Städte Akko, Tyrus und Tripolis zerstörte;
die Häuser der Templer in Akko blieben verschont. Die Burg
Archas bei Tripolis am Fuss des Libanons stürzte zusammen und ging
in Flammen auf. Safitha (Castrum album) der Templer nahm schweren
Schaden. Nur Tortosa blieb unversehrt. Eine Folge der Zerstörungen in
der schon beginnenden heissen Jahreszeit war eine Seuche unter Menschen
und Vieh.

Zur selben Zeit waren beide Orden vom Erbfolgestreit um Antiochia
mitbetroffen. Nach dem frühen Tode Raimunds von Antiochia 1198
oder 1199 nahm sein jüngerer Bruder Boemund ( IV. ) von Tripolis noch
zu Lebzeiten seines Vaters Boemund III. mit Hilfe von Templern –
unter Gilbert Erail – und Johannitern Antiochia ein, obwohl Raimund
seinen kleinen Sohn Raimund-Rupen zum Nachfolger und Erben bestimmt
hatte. Er war der Sohn der Prinzessin Alice von Armenien (einer
Urenkelin Philipps de Milly), einer Nichte König Leos II. von Armenien.
Doch die lateinischen und griechischen Bürger Antiochias lehnten den
jungen armenischen Prinzen, d.h. den Einfluss des armenischen Königs,
ab. Bald darauf scheinen sich die Grossmeister mit Leo ausgesöhnt zu
haben, doch verlangte Gilbert Erail die Festung Gaston (Baghräs) zurück,
die Leo besetzt hatte, obwohl sie vor der Einnahme durch Saladin im
Besitz des Templerordens gewesen war. Papst Innozenz III., den König
Leo um seine Hilfe gebeten hatte, war in der Angelegenheit von Antiochia
zurückhaltend, bis er die Ansprüche beider Parteien geprüft hatte10),
verlangte aber die Rückgabe Gastons. Der kurz zuvor in den Schoss
der katholischen Kirche aufgenommene armenische König sollte schonend
behandelt werden, aber die Rückgabe Gastons an den Templerorden erschien
dem Papst unerlässlich. Offensichtlich erkannte der Papst nicht,
dass für den König beides nicht zu trennen war: Ohne den Besitz der
Festung Gaston konnte Antiochia weder erworben noch verteidigt werden.

Im Dezember 1200 starb Gilbert Erail, im Jahre darauf Boemund III. ,
der noch einmal nach Antiochia zurückgekehrt war; danach besetzte
Boemund IV. wieder Antiochia und beabsichtigte, sich mit al-Mu’azzam
gegen den armenischen König zu verbinden, was dieser verhinderte.
Vergebens rief der König die Hilfe der Templer an, die bedeutenden
Grundbesitz in Armenien hatten; vielleicht versuchte er auch, sie zu
bestechen – der Wortlaut seines Briefes ist verderbt. Jedenfalls stellte
er ihnen in Aussicht, d ass der Papst selbst ihnen Gaston zurückgeben und
zugleich den jungen Raimund-Rupen zur Erziehung daselbst übergeben
sollte. Der König selbst wollte ihnen helfen, auch ihre Burg Darbsäk
zurückzuerobern. Philipp de Plessis traute diesen Versprechungen nicht.
Er zog von der armenischen Grenze, wo er sich im Spätsommer 1201 aufgehalten
hatte, am 11. November in die Gegend von Hamä. Mit dem
von Innozenz gesandten Kardinallegaten von S. Praxedis Soffredus begaben
sich die beiden Grossmeister am 11. November des folgenden Jahres
nach Tripolis, um zwischen Leo und Boemund IV. Frieden zu stiften,
aber beide Parteien erschienen nicht. Als der Graf von Tripolis endlich
kam, konnte nichts entschieden werden, da er wegen eines Streites mit
den Johannitern gebannt war. Obwohl Leo mit bewaffneter Macht in das
Fürstentum Antiochia einfiel, kam es während eines Waffenstillstandes zu
einer Unterredung zwischen dem Legaten, den Philipp und der Johannitergrosspräzeptor
begleiteten, und Leo, der dem Legaten grosse Versprechungen
machte. Der Legat wäre darauf eingegangen, aber seine Begleiter
verhinderten eine Übereinkunft. Auch der inzwischen gelandete
zweite Legat Petrus von S.Marcellus konnte nichts erreichen. Er
scheint die Partei der Templer genommen zu haben, aber darüber ist
nur Leos seinerseits parteiische Meinung bekannt. Leo war nämlich im
November 1203 in Antiochia eingefallen und von den Templern vertrieben
worden, die ein Bündnis mit Boemund und dem Sultan von Aleppo eingegangen
waren. Leo berichtet hier, u. W. zum ersten Mal, von der
Fahne der Templer, dem vexillum Balzanum, ihrem zweigeteilten Feldzeichen,
„weiss und schwarz, das sie deshalb Bauceant nennen, weil sie
den Christen weiss und freundlich, den Feinden aber schwarz und schrecklich
sind “, wie Jacques de Vitry später erklärt. Hier allerdings hatten
sie ihre Banner gegen den christlichen König von Armenien geführt.
Leo verwüstete darauf ihre Ländereien in Armenien, setzte Templer gefangen
und belagerte ihre beiden Burgen Roche Guillaume und Roche
Roussel weswegen ihn der Legat Petrus exkommunizierte. Um vom
Kirchenbann befreit zu werden, war Leo zwar bereit, sich mit den Templern
zu versöhnen – Innozenz III. verlangte in einem Schreiben vom
18. Januar 1205 hohen Schadenersatz – und sandte im September 1204
einen Unterhändler nach Akko, aber auf die Nachfolge seines Grossneffen
in Antiochia verzichtete er nicht, und die verlangte und von ihm zugesagte
Rückgabe von Gaston blieb ein Versprechen. Die beiden Legaten
reisten im Oktober 1204 nach Konstantinopel ab, ohne dass der Streit um
Antiochia entschieden war. Bis zu dieser Zeit, das muss besonders betont
werden, bemühten sich die beiden Ordensgrossmeister gemeinsam um
den Frieden hier; bei den Johannitern waren es Gaufridus de Donjon
und sein Nachfolger Alfonsus von Portugal. Leo lobte ihr Wohl verhalten
ihm gegenüber im Gegensatz zu den Templern und erbat vom Papst den
Johannitergrossmeister als Vermittler, aber der Papst untersagte König
Aimerich und den beiden Grossmeistern jede Parteinahme18). Die Johanniter
hatten keinen Grund für Feindseligkeiten gegen König Leo
wie die Templer. Ihr Interesse galt in dieser Zeit der Sicherung und Erweiterung
ihres Besitzes südlich von Antiochia; dazu verbanden sich
beide Orden in wiederholten Feldzügen nach Latakia, Hamä und Horns
mit Boemund IV., zuletzt 1205 . Erst der neue Johannitergrossmeister
Gaufridus le Rat entschloss sich 1207 zu einem Parteiwechsel und schloss
sich König Leo an. Der Orden empfing in der Folgezeit reiche Schen-
kungen von ihm. Nicht etwa Boemunds Bündnis mit az-Zähir von
Aleppo hat die Johanniter veranlasst, sich von ihm abzuwenden, auch
König Leo schloss 1206 mit az-Zähir einen Vertrag. Ihre Verbindung mit
Leo ist allein aus dem Interesse ihres kleinen „Staates” zu verstehen, den
sie auch im Norden vergrössern wollten. Sie ist weder durch eine Feindschaft
zu den Templern bedingt, noch hatte sie sie zur Folge. Das
muss ausdrücklich gegen Riley-Smith betont werden. Entscheidungen,
die das Königreich betrafen, fassten die Grossmeister nach wie vor gemeinsam.

1207 sandten sie mit dem Patriarchen Boten an den deutschen König,
der ihnen eine fünfjährige Reichssteuer versprach. Mit den geistlichen und
weltlichen Grossen des Landes beschlossen sie in der Haute Cour von
1208, von König Philipp II. von Frankreich einen Gemahl für die Thronerbin
Maria zu erbitten, nachdem der Plan einer Ehe mit Peter II. von
Aragon gescheitert war; die beiden Grossmeister hatten zwar schon am
21. September 1206 den Ehevertrag unterzeichnet, aber Peters Ehe war
noch nicht geschieden und wurde es auch nicht. Beide Ordensmeister
versprachen 1209, mit dem neugewählten Patriarchen von Antiochia
die Burg der Stadt zu beschützen, bis endgültig entschieden sei, wer die
Herrschaft über Antiochia übernehmen sollte. Der Papst wendete
sich an beide Grossmeister gemeinsam, wenn er ihnen Mittel zur Unterstützung
des Heiligen Landes überwies. Eine dauernde Feindschaft
zwischen beiden Orden wäre ihm nicht verborgen geblieben.

Seit keine Zentralgewalt mehr im Königreich Jerusalem bestand, waren
die Ordensmeister nahezu souverän geworden. Das hat ihre Stellung
auch zueinander verändert. Sie sind ermächtigt, Verträge mit den Fürsten
der Muslime abzuschliessen. Der Sultan von Aleppo half den Templern
und Boemund, Leo 1203 aus Antiochia zu vertreiben, woran der Papst
keinen Anstoss nahm; er empfahl selbst dem az-Zähir 1211, den Patriarchen
von Antiochia zu unterstützen.

Da der Papst hinter ihnen stand, ist es nicht zu verwundern, dass die
Templer mit solcher Zähigkeit auf Gaston bestanden. „Daher werden die
Templer,” schreibt Innozenz an Leo, „über die Du Dich so sehr beklagst,
ablassen Dich zu kränken, wenn nur Du ablässest, sie zu kränken, und
nicht Dich weigerst, die Burg Gaston betreffend ihnen die oft verlangte
Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Denn das ist es, was sie offensichtlich
vor allem gegen Dich vorbringen, dass Du nämlich Dich weigerst, ihnen
die Burg zurückzugeben, und auch von uns oft gemahnt und gebeten
ihnen nicht ihre Gerechtigkeit willst widerfahren lassen. Daher, da alle
Gesetze und alle Rechtsbestimmungen erlauben der Gewalt
mit Gewalt zu wehren, besonders denen, die, wenn sie die Gewalt vertreiben,
nicht gegen ihre Regel verstossen, da sie keine Kleriker sind,
scheint es den meisten richtig, dass sie sich gegen Dich, wenn Du sie
kränkst, verteidigen und, wenn Du sie angreifst, zurückschlagen, zumal
Du ihnen mit Gewalt das vorenthältst, womit sie gewohnt und verpflichtet
sind, die Heiden zu bekämpfen. Und da Du jene Burg gegen sie festhältst
und verteidigst, scheint es nicht verwunderlich, wenn sie selbst gegen
Dich Antiochia in der Hand behalten und verteidigen, in dessen Bereich
(pertinentia) sie einen nicht geringen Teil besitzen, da es bei weitem etwas
anderes ist, zu verteidigen als anzugreifen.”

Aber diese moralische Hilfe genügte nicht. Unter Philipp de Plessis
erhielt der Orden Gaston nicht zurück.

Wieder waren es Ereignisse, auf die der Grossmeister keinen Einfluss
nehmen konnte, die die letzten Jahre seiner Amtszeit bestimmen. 1204
wurde Konstantinopel von einem „Kreuzfahrerheer” erobert. Der Reichtum
dieser bei weitem grössten Stadt des Mittelmeerraumes verlockte
zum Schaden des Heiligen Landes viele Ritter und Knappen von
Palästina, dort ihr Glück zu versuchen. Auch die Orden entsandten
Brüder. Am 1. April 1205 starb König Aimerich (Amalrich II. ) , dem
seine junge Stieftochter Maria folgte. „Es blieb kaum jemand übrig,
qui temporaliter vel spiritualiter praeesset und die Führung übernähme
ausser den Templern und Johannitern, quorum professio est pro terre custodia
stare fideliter, fortiter pugnare.” Die Grossmeister waren auf sich
selbst gestellt. Ist es zu verwundern, dass die Templer wieder einmal von
Leo des Hochmuts beschuldigt werden. Es kränkte Leo, dass eine verhältnismässig
kleine Zahl Ritter seine Pläne durchkreuzte. Sein Tadel
wiegt nicht schwer.

1208 hatte Boemund den lateinischen Patriarchen von Antiochia,
der gegen ihn konspirierte, gefangennehmen und umbringen lassen und
war dem Kirchenbann verfallen. Mit grossem Geschick hatte Philipp
die Interessen des Ordens nur soweit mit denen Boemunds verknüpft,
dass ihm kein Vorwurf gemacht und er nicht exkommuniziert wurde.
Fast während des ganzen ersten Jahrzehnts des 13. Jahrhunderts
hatte das Königreich Jerusalem Waffenstillstandsverträge mit den
Muslimen. An kleineren Feldzügen in Nordsyrien waren auch die Templer
beteiligt. Um 1203 einen günstigen Frieden für die Johanniter zu er-
reichen – wieder ein Beweis des freundschaftlichen Verhältnisses beider
Orden in dieser Zeit -, liess Philipp de Plessis al-Mansür Ibrähim von
Horns wissen, dass ein Kreuzfahrerheer in Akko gelandet sei und eine
Einigung zwischen Leo und Boemund bevorstände. Al-Mansür ging
wohl zunächst auf die Bedingungen ein, aber bald darauf begannen neue
Feindseligkeiten. Verhandlungen der Ordensmeister mit den Muslimen
waren nicht mehr ungewöhnlich. Philipp de Plessis hatte mit Gaufridus
de Donjon, dem Johannitergrossmeister, ein Abkommen getroffen, wonach
die Johanniter verpflichtet waren, die Templer zu unterstützen, wenn sie
Krieg um Gabala (Jeble) führten, und umgekehrt, nicht aber, wenn sie
mit Saona (Sahyün) im Felde lägen. Das Bewusstsein, eine Gemeinschaft
gegen einen gemeinsamen Feind zu bilden, war nur in Zeiten äusserster
Bedrängnis wach, daher wiederholten sich auch die Streitigkeiten
einzelner Ordensbrüder und der Ordensklientel untereinander. Die Muslime
unterstützten die Bildung dieser Teilgewalten. 1209 griffen die
Sultane von Ikonium und Aleppo das Königreich Armenien an und
machten zu einer ihrer Friedensbedingungen – die König Leo nicht einhielt
-, dass den Templern Gaston zurückgegeben würde, damit der
König nicht die Herrschaft über Antiochia gewänne. Das zeigt wohl,
wie angesehen der Orden war, aber ebenso die gefährliche Zersplitterung
des Landes. Nur in Aragon, wo beide Orden an der Seite des Königs den
andersgläubigen Feind bekämpften, erfüllten sie ihre eigentliche Bestimmung.

Es ist Philipp de Plessis und seinem Orden zum Vorwurf gemacht
worden, dass er 1209 mit den Prälaten des Landes gegen die bessere Einsicht
der Barone und der beiden anderen Ordensmeister ablehnte, den
Waffenstillstandsvertrag mit al-‘Ädil aufsein Angebot hin zu erneuern.
Hinter dieser – politisch unklugen – Entscheidung stand offenbar die
Absicht, den Wunsch des Papstes, der soviel für das Königreich Jerusalem
getan hatte, zu erfüllen, und endlich gegen den gefürchteten Feind
ins Feld zu ziehen. Wie dieser Grossmeister angesichts der vielfachen Not
des Landes allein auf die Gebetshilfe der Zisterzienser vertraut hatte,
„da ja unser Haus von Eurem und von Euren Vorgängern die institutio
empfing”, wie er ihrem Abt schrieb, mag er jetzt ein Wunder erhofft
haben, das dem kleinen führerlosen Reich gegen al-‘Ädil zu Hilfe käme.
Die Motive seines Entschlusses zu verstehen und ihnen gerecht zu werden,
ist uns nicht möglich.
Vielleicht im Verlauf beginnender Kämpfe starb Philipp de Plessis am
12. November 1209.

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